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Ergebnisse des Stichproben-Messprogramms Altona Untersuchungen des Luftmesswagens 2002 bis 2004
Mit dem Messfahrzeug des Instituts für Hygiene und Umwelt wurden in den Jahren 2002 bis Anfang 2004 Luftschadstoffmessungen im Gebiet Altona/Ottensen durchgeführt. Interesse an kleinräumigen Daten zur Luftbelastung in diesen Bereich war von der seinerzeitigen Stadtentwicklungsbehörde geäußert worden. Im Untersuchungsgebiet findet man eine Mischung aus ausgedehnten Wohngebieten, viel gewerblicher Nutzung und Verkehrsflächen (neben vielen kleinen und schmalen Wohnstraßen ebenso diverse stark befahrene Straßen für den Durchgangsverkehr) sowie große von der Bahn genutzte Flächen; die wenigen Grünflächen sind klein. Der südliche Teil des Messgebietes ist durch den nahen Hafen beeinflusst. Eine kartografische Darstellung des Messgebietes ist hier einzusehen. Das Messprogramm umfasste jeweils vier Messpunkte in der Breite sowie sechs Messpunkt in der Höhe, so dass insgesamt 24 Messpunkte angefahren und knapp vier Quadratkilometer abgedeckt wurden. Es wurde versucht, jeweils den Soll-Abstand von 500 m zwischen den einzelnen Messpunkten einzuhalten. Dies ließ sich jedoch aufgrund lokaler Gegebenheiten in der zumeist engen Bebauung nicht überall einhalten (s. Karte). Die einzelnen Standorte des Messprogramms gehen aus der folgenden Tabelle hervor:
Tabelle: Standorte des Messwagens beim Messprogramm Altona.
Gemessen wurden im Zeitraum vom 10.01.2002 bis zum 27.02.2004 die Schadstoffe Kohlenmonoxid (CO), Ozon (O3), Schwefeldioxid (SO2), Stickstoffdioxid (NO2) und Stickstoffmonoxid (NO). Darüber hinaus wurden die meteorologischen Komponenten Temperatur, relative Feuchte, Windgeschwindigkeit und Windrichtung ermittelt. Jeder Messpunkt wurde im Rahmen des Stichproben-Messprogramms 54mal für jeweils eine halbstündige Messung angefahren.
In dieser Tabelle werden die Ergebnisse der Messungen zusammengefasst: angegeben werden die aus allen Messungen ermittelten Mittel- und Maximalwerte über den gesamten Messzeitraum, sowohl als Gesamtmittelwert für die gesamte Fläche (Messgebiet MP 1 - 24) wie auch einzeln für alle Messpunkte. Messergebnisse aus Stichprobenmessungen haben auf Grund der geringen Messzeit-Abdeckung (54 Halbstunden-Messwerte innerhalb von 2 Jahren, d. h. von rund 35.000 Halbstunden-Zeiträumen) den Charakter von orientierenden Messungen; das bedeutet, dass bei den Ergebnissen einer größere Unsicherheit berücksichtigt werden muss. Als Bewertungskriterien für die Messergebnisse werden entsprechende Immissionswerte der 22. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (22. BImSchV) bzw. der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) herangezogen. Als Grenzwerte für den Jahresmittelwert werden dort genannt:
Bei CO gibt es nur einen Grenzwert für den 8-Std.-Mittelwert (10.000 µg/m³/22. BImSchV), der jedoch in einem Stichprobenmessprogramm wegen der kürzeren Messzeit (0,5 Std.) nicht ermittelt werden kann; für Ozon gilt ein Wert von 180 µg/m³, bei dessen Überschreitung eine Information für die Öffentlichkeit herausgegeben wird (die Überwachung dieses Wertes erfolgt hier allerdings mit den kontinuierlich arbeitenden Ozonmessstationen).
Bei der räumlichen, urbanen Enge an vielen Orten des überwachten Messgebietes (vor allem in Ottensen) ließ sich an einigen Messpunkten eine straßennahe Aufstellung des Messwagen nicht vermeiden - zumal das Messgebiet von zahlreichen großen, verkehrsreichen Straßen durchzogen wird. Besonders die Messpunkte 4 (Doormannsweg), 6 (Plöner Straße, unmittelbare Nähe zur Stresemannstraße) und 24 (Fischmarkt) wurden augenscheinlich durch die direkte Nachbarschaft großer Straßen beeinflusst. Auch bei einigen anderen Messpunkten wurde ein Einfluss durch nicht allzu entfernt verlaufende, große Verkehrswege deutlich. So gab es zuweilen – je nach Windrichtung - einen Einfluss der Kieler Straße auf die Messungen am Messpunkt 7 (Koldingstraße), die Stresemannstraße hatte auch einen Einfluss auf Messpunkt 5 (Bessemerweg), die Holstenstraße auf die Messpunkte 16 (Gählertstraße) und 20 (Louise-Schröder-Straße) und Max-Brauer-Allee und Julius-Leber-Straße auf den Messpunkt 14 im Park an der Goetheallee. Für die 5 Messpunkte Nr. 4, 6, 7, 13 und 24 ergibt sich bei Stickstoffdioxid NO2 ein Mittelwert von über 40 µg/m³. Auffallend ist dabei, dass der höchste Mittelwert am Messpunkt 13 (Große Rainstr. / Hohenesch) gemessen wurde. Dort gibt es keinen direkten Luftzustrom von großen Straßen – möglicherweise spielt bei den erhöhten Messwerten dort (Mittelwert 45 µg/m³) die sehr enge 3 bis 4-geschossige Bebauung eine Rolle, die nach Beendigung des Messprogramms durch Neubauten weiter verengt wird; ob der Busverkehr in den schmalen Straßen mit werktags ca. 30 Bussen pro Stunde in unmittelbarer Nähe eine Rolle spielt, ist nicht belegbar.
Für die Komponente SO2 lässt sich feststellen, dass grundsätzlich eine größere Nähe zum Hafen auch höhere SO2-Werte bedeutet, allerdings auf einem insgesamt niedrigen Belastungsniveau deutlich unterhalb der o. g. Grenzwerte. Für die vier in Elbnähe und etwa auf einer Linie liegenden Messpunkte 21-24 ergibt sich ein 2-Jahres-Mittelwert von 14 µg/m³, für die vier vom Hafen am weitesten entfernt liegenden Messpunkte 1-4 dagegen von nur 8 µg/m³. Der Einfluss des Hafens wird bestätigt durch eine windrichtungsabhängige Auswertung des Messpunktes 22, dem Altonaer Balkon, der sehr elbnah liegt und außergewöhnlich frei anströmbar ist. Während bei den (recht seltenen) Winden aus nördlichen Richtungen für SO2 ein Mittelwert von 2,5 µg/m³ ermittelt wird, erhält man bei Winden aus südlichen Richtungen (also aus dem Hafengebiet) auf dem Altonaer Balkon einen durchschnittlichen Wert von knapp 30 µg/m³. Bei den häufigsten Windrichtungen aus West beträgt der Mittelwert ca. 12 µg/m³. Je nach Windrichtung erhält man also eine deutlich unterschiedliche SO2-Belastung. Bei dem in der unten aufgetragenen Grafik ebenso eingezeichneten NO2 ist diese Verteilung insgesamt homogener, jedoch findet man auch dort die höchsten Werte bei südlichen Winden – genauso und noch wesentlich deutlicher beim nicht in der Grafik aufgetragenen NO. Beim Ozon erhalt mal die höchsten Werte bei westlichen Winden, beim CO bei östlichen Winden.
Keine besonderen Auffälligkeiten ergaben die Messungen für Kohlenmonoxid CO. Sämtliche Halbstunden-Messwerte liegen weit unterhalb des zugelassenen maximalen 8-Stunden-Mittelwert von 10.000 µg/m³. Auf diesem insgesamt niedrigen Niveau wiesen die straßennah gelegenen Messpunkte naturgemäß zumeist etwas höhere Messwerte auf als die abgelegeneren Messpunkte. Ein wenig aus diesem Rahmen fielen die Messpunkte 8 (Arnkielstraße) und 19 (Eschelsweg, Parkplatz von Firma Bahr), die etwas höhere Werte lieferten, als durch die Umgebung zu erwarten gewesen wäre. Die Ozonwerte verhalten sich naturgemäß umgekehrt zum Kfz-Verkehrseinfluss. Da die Emissionen des Autoverkehrs (überwiegend primär als NO) zunächst einmal als Ozonsenke dienen, also Ozon abbauen, findet man abseits der großen Verkehrswege die höheren Werte. Die höchsten Werte fanden sich hier also an den Messpunkten 1 (Friedhof am Diebsteich), 2 (Waidmannstraße / Sportplatz) und 10 (Harkortstraße, Parkplatz der Firma Holsten). Die niedrigsten Ozonmittelwerte wurden an den Messpunkten 6 (Plöner Straße / Stresemannstraße), 13 (Große Rainstraße / Hohenesch), 22 (Altonaer Balkon) sowie am Messpunkt 24 (Fischmarkt) festgestellt. Als ausgesprochen repräsentativer Messstandort für das gesamte Gebiet kann der Messpunkt 14 (Goetheallee / Park) angesehen werden: die dort ermittelten Durchschnittwerte wichen allesamt nur geringfügig von den Gesamtmittelwerten des Gebietes ab: CO +9 µg/m³, O3 -2 µg/m³, SO2 -1 µg/m³, NO2 +1 µg/m³ und NO 0 µg/m³.
Wie gut beschreiben die Messergebnisse der Stichprobenmessung die tatsächliche Belastung? Zur Prüfung der Qualität der Stichprobe von jeweils 54 Halbstunden-Messungen pro Messpunkt innerhalb von 2 Jahren wurden die Daten der Messstation Sternschanze herangezogen. Die Messstation liegt zwischen 1000 m und 3200 m von den Messpunkten des Messgebietes entfernt und ermittelt die Luftbelastung rund um die Uhr. Aus diesem zeitlich nahezu lückenlosen Gesamtdatenbestand der Messstation wurden nun ebenfalls Stichproben entnommen und zwar jeweils die zu den 54 Messterminen eines Messpunktes zeitgleichen Werte. Bei 24 Messpunkten mit unterschiedlichen Messterminen erhält man somit insgesamt 24 unterschiedliche Stichproben aus dem Gesamtdatenbestand der Messstation. Die aus diesen Stichproben berechneten Mittelwerte für die einzelnen Schadstoffe lassen sich nun jeweils mit dem Mittelwert aus allen Messwerten der Messstation über die 2 Jahre vergleichen. Durch diesen Vergleich wurde noch einmal der Sachverhalt bestätigt, dass die Mittelwerte aus Stichprobenmessungen des Messwagens tendenziell eher etwas höher ausfallen als Mittelwerte aus kontinuierlichen Messungen. Das liegt vor allem daran, dass die Messungen des Messwagens nur tagsüber und an Werktagen stattfinden, während kontinuierliche Messungen auch die Nacht- und Wochenendzeiten umfassen. Im Vergleich von Stichproben und Gesamtdaten der Station Sternschanze lagen die NO2-Mittelwerte aus Stichproben rund 11 % höher als der Mittelwert aus allen Daten, beim direkt emittierten NO betrug die Differenz sogar 79 %. Auch beim SO2 war der Unterschied mit 21 % höheren Stichprobenwerten signifikant. Demgegenüber lagen Stichproben- und Gesamtdaten-Mittelwerte bei CO (+5 %) und Ozon (-2 %) nahe beieinander. Zur weiteren Validierung der ermittelten Daten wurden mit dem Messfahrzeug Parallelmessungen direkt neben der Messstation 20VE Veddel des Hamburger Luftmessnetzes durchgeführt. Anhand dieser Parallelmessungen ließ sich feststellen, dass die Messungen mit dem Messfahrzeug insgesamt (Ausnahme NO) eine befriedigende Vergleichbarkeit zu den Messungen an der festen Station erreichten, beim NO wurden allerdings eine weniger gute Übereinstimmung gefunden. Für die einzelnen Komponenten wurden auf der Basis der Mittelwerte aus 43 Parallelmessungen die folgenden Abweichungen zwischen den Messwagen- und den Messstationsergebnissen ermittelt (Bezugswert: Ergebnisse der Station Veddel): CO: -6 %, SO2: 0 %, NO2: -7 %, NO: -23
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